Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen haben der Metzinger Ortsverband der Grünen und die Grüne Gemeinderatsfraktion gemeinsam mit Cindy Holmberg MdL heute zu einer Kundgebung auf dem Kelternplatz eingeladen. Mit eindrücklichen Bodenplakaten, aktuellen Zahlen und politischen Appellen wurde deutlich: Gewalt gegen Frauen bleibt eine drängende gesellschaftliche Realität – auch im Landkreis Reutlingen.
2024 wurden bundesweit 308 Frauen und Mädchen getötet, die große Mehrheit im häuslichen Umfeld. 187.128 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt – mehr Menschen, als in Reutlingen und Metzingen zusammen leben. Insgesamt erfasste die Polizei 265.942 Opfer häuslicher Gewalt – eine Zahl, die fast der gesamten Bevölkerung des Landkreises Reutlingen entspricht.
Diese Dimensionen, aber auch konkrete politische Aufgaben vor Ort, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Lisa Weigert (Kreisrätin und Stadträtin): „Verantwortung beginnt hier bei uns – ohne Ausreden.“
Sie betonte, dass kommunale Verantwortung zentral sei: „Gewalt gegen Frauen passiert nicht irgendwo – sie passiert auch hier bei uns. Und genau deshalb beginnt Verantwortung nicht in Berlin oder Stuttgart, sondern bei uns in der Kommune. Wenn Frauen Schutz brauchen, dann müssen wir handeln – sofort, verlässlich und ohne Ausreden.“
Weigert verwies zugleich auf die Lücke zwischen Rechtsanspruch und Realität:
Auch das Reutlinger Frauenhaus konnte vergangenes Jahr nicht alls schutzsuchenden Frauen aufnehmen. Gerade vor diesem Hintergrund sei es zwingend notwendig, dass Kommunen eine stabile Finanzierung von Schutz- und Beratungsstrukturen sicherstellen.
Cindy Holmberg MdL: „Auch der ländliche Raum darf kein blinder Fleck sein.“
Die Landtagsabgeordnete und Sprecherin für den ländlichen Raum hob hervor, dass Gewalt an Frauen in allen sozialen Gruppen und in allen Regionen vorkommt – und dass gerade im ländlichen Raum besondere Herausforderungen bestehen:
„Es ist unsere Aufgabe, dass Frauen auch in kleineren Gemeinden und abgelegenen Regionen dieselben Chancen haben, schnell Hilfe zu finden wie in der Stadt. Wege zu Beratungsstellen sind oft länger, soziale Kontrolle größer, die Hemmschwelle höher. Deshalb brauchen wir mobile Angebote, digitale Zugänge und verlässliche Schutzräume – unabhängig vom Wohnort.“
Holmberg machte deutlich, dass Baden-Württemberg weiter investieren müsse – in Beratungsstellen, Prävention und verlässliche Strukturen. Nur so könne der Schutz im gesamten Land gewährleistet werden.
Hintergrund
Mit dem neuen Gewalthilfegesetz gibt es erstmals einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung. Bis 2027 müssen die Länder ein flächendeckendes Netz an Schutz- und Hilfestrukturen sicherstellen. Die Umsetzung hängt jedoch maßgeblich von kommunaler Finanzierung und örtlicher Infrastruktur ab.


