Am vergangenen Freitag besuchte eine Gruppe interessierter Bürgerinnen und Bürger aus Metzingen und Umgebung den Windpark Goldboden in Winterbach. Sie wollten sich vor Ort ein Bild von der modernen Windenergie machen und direkt mit Experten ins Gespräch kommen - Organisiert vom Grünen Stadtrat Dr. Markus Schenk.
Der Energieversorger EnBW zeigt auf dem Goldboden, wie die Energiewende in Baden-Württemberg konkret Gestalt annimmt. Drei moderne Windkraftanlagen stehen stellvertretend für den Wandel eines Bundeslands, das lange als Hochburg der Atomenergie galt – und nun Schritt für Schritt auf erneuerbare Energien umstellt.
Ein erfolgreiches Beispiel ist der Windpark Bergkühlen bei Merklingen auf der Schwäbischen Alb. Zusammen mit der Photovoltaik wird hier sogar mehr Energie produziert, als die Stadt verbraucht.
Auch in Winterbach setzt man auf moderne Technik: Schwachwindanlagen mit besonders großen Rotorblättern sorgen dafür, dass auch bei geringen Windgeschwindigkeiten ein effizienter Betrieb möglich ist.
Jede der Anlagen auf dem Goldboden kann bis zu 3,3 Megawatt erzeugen – so wird in einer Stunde so viel Strom produziert, den ein durchschnittlicher Haushalt im Jahr verbraucht. Die Windräder drehen sich unabhängig voneinander in den Wind und nutzen so jede Brise optimal aus.
Baden-Württemberg, eine der energiehungrigsten Regionen Deutschlands, hat großen Nachholbedarf bei der Windenergie: Nur etwa 3 % seines Stroms stammen derzeit aus Windkraft. Doch das ändert sich langsam. Kohlekraftwerke wie das in Altbach werden umgerüstet und sollen ab 2027 Wasserstoff und Gas nutzen, was die CO₂-Emissionen um zwei Drittel reduziert.
Der Standort Goldboden wurde sorgfältig ausgewählt, um geschützte Arten zu schützen. Für Fledermäuse gibt es spezielle Vorrichtungen, die die Anlagen automatisch abschalten, sobald die Tiere aktiv sind.
Kritik kommt dennoch – etwa von der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“, die dem Windpark eine schwache Leistung attestiert. Die EnBW hält dagegen: Die Anlagen seien im Plan und wirtschaftlich. Als Aktiengesellschaft müsse der Betrieb profitabel sein, sonst hätte man nicht investiert.
Ein Windpark braucht Platz – auch Waldflächen mussten gerodet werden. Doch der Energieversorger kompensiert die Eingriffe, sowohl ökologisch als auch klimatisch: Windkraftanlagen sparen im Betrieb große Mengen CO₂. Zudem sind bis zu 90 % ihrer Materialien recycelbar. Die Forschung arbeitet daran, auch die Rotorblätter wirtschaftlich wiederverwertbar zu machen. Erste Tests mit Hanffasern stimmen optimistisch.
In Deutschland fehlt es im Stromnetz häufig an bidirektionalen Ladesystemen und Speichermöglichkeiten. Politischer Wille ist gefragt. Der Windpark Goldboden zeigt, dass Windenergie auch im Süden Deutschlands erfolgreich sein kann, wenn die Voraussetzungen stimmen.